Frau Holle im Meißner
Zahlreiche Sagen, Redensarten, Märchen aber vor allem auch mystische Orte und Ortsnamen erzählen im Gebiet des Hohen Meißners in Nordhessen von Frau Holle. Auf märchenhaften Wanderungen durch den Meißner kann man auf Frau Holles Spuren wandeln und die einzigartigen Orte auf sich wirken lassen.
Einer Sage nach wohnte im Dorf Trubenhausen am Fuße des Meißners ein Mädchen namens Martha. Dies war mit einem Trunkenbold verheiratet, der schließlich Haus und Hof verlor und als Sklave in die Fremde geschickt wurde. Verzweifelt ging Martha in den Wald im Meißner, um sich auszuweinen. Dort fand sie die Göttin Hulda, die ihr den Meißner als Hausberg schenkte. Fortan wirkte Martha als Frau Holle im Meißner, wurde zur Schutzherrin anderer junger Frauen, hatte durch ein Glöckchen Macht über die Elemente.
Über die Kitzkammer an der Südseite des Meißners heißt es, dass Frau Holle dort die unfolgsamen und faulen Mädchen in Katzen verwandelt und dort eingesperrt hat. Eine andere Sage berichtet von einer verbreiteten Eigenschaft der Frau Holle: denn sie wird mal als alte häßliche Frau dargestellt, mal als jungfräuliche weiße Frau. Auf vielen Bildern wird sie mit zwei Gesichtern dargestellt. An der Kitzkammer jedenfalls hat einmal ein junger Bursche eine junge weißgewandete Frau gesehen. Diese bot ihm den Schlüssel zu ihren unterirdischen Schätzen. In der Nähe befindet sich die Morgengabe, eine Wiese, die Frau Holle als Hochzeitsgeschenk gemacht haben soll. Dort findet sich auch der Holle-Stuhl - ein Steinblock in Form eines Sessels.
Aus dem Holle-Teich, so wird noch heute in den Dörfern um den Meißner erzählt, kommen die kleinen Kinder. Dort im See hat Frau Holle ein unterirdisches Reich und wäscht dort die Seelen rein. Andere Brunnen im Meißner-Gebiet überliefern das gleiche.
Im Norden des Meißners befindet sich die Hilgershäuser oder Kammerbacher Höhle. Sie wird auch Hollstein oder Hohlstein genannt. Sie soll die größte Höhle Hessens sein. Im Innern befindet sich ein kleiner See, der angeblich nie versiegt. Er soll heilkräftig sein. Besonders in der Oster- oder Pfingstnacht dort geholtes Wasser soll heilen können. Früher hieß es, dass junge Frauen sich dort das Gesicht waschen sollten, um bald zu heiraten. Auch Kinderwünsche sind mit dem Wasser aus der Höhle verbunden. Noch vor 100 Jahren haben junge Leute aus der Umgebung zu Ostern vor der Höhle Blumen abgelegt. Die Höhle war nach Funden zu urteilen schon vor tausenden von Jahren besiedelt.
Unterhalb der Kammerbacher/Hilgershäuser Höhle befindet sich der Nixenborn. Dort soll eine Nixe leben, die untreue Männer, die am Ufer des Sees stehen, unter Wasser zieht. Der Überlieferung nach hat es noch niemand geschafft, den See auszuloten. Ein Versuch ist fehl geschlagen - der als Senklot versenkte Pflug kam mit einer Warnung in roter Farbe zurück nach oben.
Foto: Sabine Schumacher (Copyright)
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