Tanz in den Mai
Tanz in den Mai

Tanz in den Mai

Der erste Mai: Tag der Arbeit und Maifeiertag mit Maitanz, Maibaum, Maibowle, Maiwanderung und Maifeuer – doch was wird eigentlich gefeiert und wo kommt das Brauchtum her? Und was hat es mit der Walpurgisnacht, der Hexennacht, und dem Flug auf den Blocksberg auf sich?

Am 1. Mai werden die ArbeiterInnen der Welt geehrt. Auf dem Gründungskongress der II. Internationalen am 1. Mai 1889 wurde dieser Tag zum Tag der Arbeit bestimmt. Doch wenige Menschen denken in erster Linie an Arbeiterkundgebungen, wenn sie an den 1. Mai denken. Denn seit Jahrhunderten ist es in unseren Breitengraden Brauch, am ersten Mai einen Feiertag zu begehen.

In der Nacht vor dem Maifeiertag finden vor allem zwei Arten des Zeitvertreibs statt: der Tanz in den Mai und die Walpurgisnacht, deren Ursprünge weit zurück liegen.

Wie allgemein bekannt ist, sollen in der Walpurgisnacht Hexen auf ihren Besen zum Brocken reiten, um dort wilde Feste zu feiern, während Bräuche in den Dörfern darauf abzielen, Hexen aus der Gegend zu vertreiben und daran zu hindern, ihre Feste zu feiern, denn die Walpurgisnacht ist einer der großen "Hexensabbate":

Über Ottrau im Schwalm-Eder-Kreis beispielsweise wohnt angeblich auf dem Bechtelsberg die Frau Berchta, die früher als Göttin galt. Bei Nebel schwebt sie über die Felder und segnet das Land. Jedes Jahr lädt sie zur Walpurgisnacht auf dem Bechtelsberg, wohin der Sage nach Hexen und Zauberer durch die Luft geritten kommen, um dort zu feiern und zu tanzen. Erst in den 30er Jahren ist dort der Brauch erloschen, in der Nacht zum 1. Mai mit Peitschenknallen auf dem Bechtelsberg die Hexen zu vertreiben.

Walpurga: eine Heilige

Dabei stammt der Name Walpurgis keineswegs von einer Hexe ab, sondern von der Äbtissin Walpurga, die zum angelsächsischen Missionsteam ihres Onkels Bonifatius (der einst die heilige Eiche bei Fritzlar umhieb) gehörte. Heiliggesprochen wurde sie am 1. Mai 779, und so kam es wohl, dass der erste Mai mit ihrem Namen versehen wurde – wie viele alte heidnische Feste christliche Namen erhielten. Die Heilige Walpurga sollte – nach Meinung der katholischen Kirche – vor Hexen beschützen.

Dies deutet schon an, dass man weiter in der Geschichte zurück gehen muss, um den Ursprung der schon vor dem Christentum existierenden Maibräuche zu erkunden. Die Maifeuer, Maibäume und Tänze gehen auf vorchristliche Zeit zurück, als "Hexen" noch als weise Frauen anerkannt waren. Die weitverbreiteten Bräuche belegen, dass auch die europäischen Kelten in den Mai hineinfeierten.

In alten Zeiten hieß dieser Tag allerdings "Beltane" – Feuer des Bel(enos). Der Segen des Belenos, eines der höchsten keltischen Götter, galt der Fruchtbarkeit des Viehs, der Felder und der Menschen. Außerdem ist Beltane gut für Liebesorakel und glückliche Verbindungen. Von Belenos selbst blieben bestenfalls noch die relativ häufigen "Bel(enos)steine" wie der Bilstein im Kaufunger Wald, die Weihefeuer des Belenos aber brennen auch in unseren Breiten in der Nacht zum 1. Mai. Sie sollen Menschen, Vieh und Ackerfrüchte gesund und fruchtbar erhalten. Der Gang zwischen zwei Beltane-Feuern soll reinigen und Seuchen fernhalten.

Der Monat Mai und der Maibaum

Der Monat Mai erhielt seinen Namen nach der Göttin Maia, der Göttin der Frühlings, die neues Leben bringt. Es ist also ein Fruchtbarkeitsfest, in alten Zeiten wurde hier die Hochzeit des Sonnengottes mit der Erdgöttin gefeiert, eben mit fröhlichem Tanz ums Feuer und Fruchtbarkeitsriten.

Der weitverbreitete Maibaum symbolisiert diese Verbindung von Himmel und Erde, er ist zugleich Fruchtbarkeitssymbol und Repräsentant des Weltenbaumes. Er ist ein schlanker, entrindeter Baum, der mit Kränzen und Bändern geschmückt im Ort aufgestellt wird. Durch ihn werden Frühlings- und Sommersegen erbeten.

Mit dem Beginn der christlichen Zwangsmissionierung um 800 durch Karl den Großen wurde alles anders: Jetzt war es bei Todesstrafe verboten, sich an den alten Plätzen zu treffen und die traditionellen Bräuche zu begehen.

Die weisen Frauen, die bei den Beltane-Riten eine große Rolle spielten, wurden zur "Hexe" im negativen Sinne umbenannt. Ein frevelhaftes Bündnis mit dem Teufel wurde diesen in vielen Dingen erfahrenen und wissenden Frauen angedichtet.

Verteufelung durch die Kirche

Im 14. und 15. Jahrhundert wurde durch die Hexenprozesse die Bevölkerung weiter eingeschüchtert, aus dem alten Frühlingsfest hatte die Kirche einen finsteren "Hexensabbat" gemacht. Das Volk sollte Angst haben vor Teufeln, die angeblich in Bocksgestalt durch die Lüfte ritten. Schon Goethe beschreibt im "Faust", wie Menschen früherer Jahrhunderte sich das Treiben in der Walpurgisnacht vorstellten.

Doch die Bräuche der Maifeuer und des Maitanzes haben sich bis heute gehalten, und man kann sie wieder geniessen, ohne sich vor bösen Hexen fürchten zu müssen. Man kann sich ungestraft an der Wiedergeburt der Natur freuen. Und auch in und um Kassel gibt es Menschen, die sich bewusst wieder an die alten Bräuche unserer Vorfahren erinnern und diese begehen, nicht als bloßes Saufgelage, sondern um die Kräfte der Natur nicht zu vergessen.

Der 1. Mai ist auch heute noch ein Feiertag, an dem die Arbeit allerdings schon weitaus länger ruht, als seit dem 1. Mai 1889. Er ist seit über 1000 Jahren ein großer Festtag und wird hoffentlich auch in diesem Jahr den Sommer endlich beginnen lassen. Wenn nicht:

Ist die Hexennacht voll Regen,
wird's ein Jahr mit reichlich Segen
(Bauernregel)

Artikel und Foto: Sabine Schumacher

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