Frühlingsreise nach Kassel
Frühlingsreise nach Kassel

Frühlingsreise nach Kassel

Nie gesehene Objekte fesseln die Aufmerksamkeit der ausländischen Besucher - wozu mag dieser Gegenstand nur gedient haben? Die Auflösung - als Nothammer für lebendig Begrabene - schockiert dennoch nicht. Denn es handelt sich keineswegs um ein Grusel-Kabinett, sondern um das nahezu einmalige Museum für Sepulkralkultur (Bestattungskultur) in Kassel.

Exponate aus vielen Jahrhunderten wie Trauer-Medaillons aus der Romantik oder eine Abbildung von Urnenfeldern aus der Bronzezeit zeigen, wie die Menschen verschiedener Epochen mit dem Tod umgegangen sind. Wer es weniger düster mag, findet in Kassel aber auch andere Besonderheiten. Wie wäre es mit einem erfrischenden Bad in der Therme, um die Sommersonne richtig zu genießen und das Wohlbefinden mal so richtig zu steigern? Oder einem köstlichen italienischen Gericht in der alten Synagoge?

So gestärkt für den nächsten Museumsbesuch kann der Kasseler Tourist zwischen der größten Museumsdichte pro Kopf in Deutschland wählen: lieber die Sammlung Alter Meister im Schloss Wilhelmshöhe mit Werken von Rubens oder Brueghel? Oder lieber doch die Swatch-Uhren-Sammlung im Landesmuseum? Kassel beherbergt außerdem das erste Naturkundemuseum Deutschlands mit dem berühmten Goethe-Elefanten und das außergewöhnliche Tapetenmuseum mit Wandbehängen von der Barock-Zeit bis hin zu Designer-Stücken. In die Welt der Märchen entführt der Palais Bellevue an der Deutschen Märchenstraße - das Wohnhaus der Brüder Grimm, die unweit von Kassel ihre berühmten Märchen gesammelt und hier niedergeschrieben haben.

Kunstliebhaber sollten natürlich spätestens alle vier bis fünf Jahre einmal eine Reise nach Kassel unternehmen, wenn die zeitgenössische Kunstausstellung "documenta" ihr Pforten öffnet. Eine größere Zusammenstellung aktueller Werke von Video-Installationen bis Malerei findet man weltweit nirgends. Zwischen den documenta-Jahren kann jeder Kunst-Interessierte in ganz Kassel verteilt noch so manches Kunstwerk aus vergangenen Jahren entdecken, darunter Werke von Claes Oldenburg oder Beuys.

Einen eindrucksvollen Abschluss jeder Reise nach Kassel bietet ein Spaziergang durch den barocken Bergpark Wilhelmshöhe. Vom Herkules-Denkmal überblickt man die ganze Stadt samt Umland, bergab kann man zu Fuß die Wasserspiele begleiten: zwei Wasserströme, die sich durch den ganzen Bergpark hinab durch künstliche Ruinen ihren Weg zum Schlossteich bahnen, um sich dort in einer Fontäne zu vereinigen. Nicht zu vergessen: ein Besuch der als romantische Ruine erbauten Löwenburg im Bergpark mit echten Ritterrüstungen, Waffen und alten Spielen der Kammerfrauen. Schon der französische Adel war hier zu Besuch, um den Sommer zu genießen.

Fotos: Schumacher

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